Was sind Snapshots, wozu brauchst du sie – und wie erstellst du sie mit Timeshift auf deinem Ubuntu Server?
Mit Timeshift kannst du deinen Ubuntu Server absichern, bevor du etwas veränderst. Was genau ein Snapshot ist, warum das so nützlich ist und wie es über das Terminal funktioniert, erfährst du in diesem Beitrag.
Was ist ein Snapshot?
Ein Snapshot ist eine Momentaufnahme deines Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt. Stell es dir wie einen „Rückgängig-Button“ für den gesamten Server vor: Wenn nach einem Update, einer Fehlkonfiguration oder einer fehlgeschlagenen Installation etwas nicht mehr funktioniert, setzt du das System einfach auf den letzten Snapshot zurück – und alles ist wieder wie vorher.
Wichtig zu verstehen: Ein Snapshot ist kein Datei-Backup. Timeshift sichert das Betriebssystem – also Systemdateien, installierte Pakete und Konfigurationen. Deine eigenen Dateien in /home werden standardmäßig nicht gesichert. Für Daten-Backups brauchst du ein ergänzendes Tool.
Wozu brauche ich das?
Hier sind die häufigsten Situationen, in denen ein Snapshot dir den Tag rettet:
| Situation | Was passiert ohne Snapshot |
apt upgrade bricht Abhängigkeiten | Stundenlange Fehlersuche oder Neuinstallation |
| Konfigurationsdatei falsch bearbeitet | Dienst startet nicht mehr, Ursache unklar |
| Neues Paket kollidiert mit bestehendem | Schwer nachvollziehbare Seiteneffekte |
| Kernel-Update macht Probleme | Server bootet nicht mehr |
Mit einem Snapshot vor dem Eingriff: Wiederherstellen, fertig.
Wie funktioniert Timeshift?
Timeshift arbeitet auf Standard-Ubuntu-Systemen mit der RSYNC-Methode. Der erste Snapshot ist eine vollständige Kopie aller Systemdateien. Jeder weitere Snapshot kopiert nur die Dateien, die sich seit dem letzten Snapshot geändert haben – alle unveränderten Dateien werden als sogenannte Hard-Links referenziert. Das spart erheblich Speicherplatz.
Timeshift installieren
Timeshift ist seit Ubuntu 20.04 direkt in den offiziellen Paketquellen enthalten. Zuerst aktualisieren wir die Paketlisten:
sudo apt update
Dann installieren wir Timeshift. Das -y am Ende beantwortet alle Rückfragen während der Installation automatisch mit Ja:
sudo apt install timeshift -y
Nach der Installation prüfen wir, ob alles geklappt hat:
timeshift --version
Die Ausgabe zeigt dir die installierte Version, zum Beispiel timeshift v22.11.1.
Ersten Snapshot erstellen
Jetzt erstellen wir unseren ersten Snapshot. Mit dem Parameter --comments vergibst du eine Beschreibung, die dir später hilft, den richtigen Snapshot zu identifizieren. Mit --tags O weisen wir den Snapshot als „Daily“-Snapshot aus:
sudo timeshift --create --comments "Erster Snapshot nach Basisinstallation" --tags O
Die möglichen Tags sind:
| Tag | Bedeutung |
O | Täglich (Daily) |
W | Wöchentlich (Weekly) |
M | Monatlich (Monthly) |
B | Boot |
H | Stündlich (Hourly) |
Das Tag beeinflusst, welche Snapshots bei der automatischen Bereinigung zuerst gelöscht werden.
Vorhandene Snapshots anzeigen
Mit folgendem Befehl siehst du alle gespeicherten Snapshots auf einen Blick:
sudo timeshift --list
Die Ausgabe zeigt dir Name (Zeitstempel), Tag und deinen Kommentar. Du kannst dir auch direkt anschauen, was im Snapshot gespeichert ist – er liegt als vollständige Verzeichnisstruktur unter /timeshift/snapshots/ auf deiner Festplatte.
Einen Snapshot wiederherstellen
Wenn etwas schiefgelaufen ist, stellst du das System mit folgendem Befehl wieder her – ersetze den Zeitstempel durch den Namen aus der --list-Ausgabe:
sudo timeshift --restore --snapshot '2024-01-14_12-00-00'
Timeshift zeigt dir vorher eine Zusammenfassung, welche Verzeichnisse wiederhergestellt werden, und fragt zur Bestätigung. Nach der Wiederherstellung startest du den Server neu:
sudo reboot
⚠️ Hinweis: Erstelle vor einer Wiederherstellung wenn möglich einen Snapshot des aktuellen (auch fehlerhaften) Zustands. So kannst du im Notfall noch auf einzelne Dateien daraus zugreifen.
Wann sollte ich einen Snapshot erstellen?
Als Faustregel gilt: Vor jedem größeren Eingriff ins System. Das bedeutet konkret:
- Vor
apt upgradeoderdist-upgrade - Vor der Installation eines neuen Dienstes
- Vor größeren Konfigurationsänderungen
- Nach der Grundinstallation eines frischen Servers
Abschluss
Timeshift ist eines der praktischsten Werkzeuge für jeden, der einen Ubuntu Server betreibt. Die Installation dauert wenige Sekunden, ein Snapshot ist in Minuten erstellt – und im Ernstfall hast du das System in kürzester Zeit wieder in einem funktionierenden Zustand.
Wer tiefer einsteigen möchte: Timeshift lässt sich so konfigurieren, dass Snapshots automatisch nach Zeitplan erstellt und alte Snapshots automatisch bereinigt werden. Wie das geht, zeige ich in einem separaten Beitrag.


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