Ein Distributions-Upgrade über eine Fernverbindung (SSH) durchzuführen, klingt im ersten Moment riskant. Wenn die Verbindung abbricht, könnte das System in einem unfertigen Zustand hängen bleiben. Doch mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Werkzeugen ist dieser Prozess sicher und effizient.
In dieser Anleitung erfährst du, wie du deinen Ubuntu Desktop von der Version 22.04 LTS (Jammy Jellyfish) auf die aktuelle Version 24.04 LTS (Noble Numbat) hebst.
1. Warum „Screen“ dein bester Freund ist
Bevor wir starten, installieren wir das Werkzeug Screen.
Hintergrund: Wenn du per SSH verbunden bist und deine Internetverbindung kurz weg ist, wird der laufende Befehl normalerweise abgebrochen. Bei einem System-Upgrade wäre das fatal. Screen erstellt eine virtuelle Sitzung, die auf dem Server weiterläuft, auch wenn du die Verbindung verlierst. Du kannst dich danach einfach wieder einwählen und dort weitermachen, wo du aufgehört hast.
Installation:
sudo apt update sudo apt install screen
Starte eine neue Sitzung mit dem Befehl:
screen
Sollte die Verbindung abbrechen, kannst du sie später mit screen -d -r wieder aufnehmen. Wie Screen genau funktioniert und was du damit machen kannst, erfährst du in dem Beitrag „Screen unter Ubuntu – Terminal-Sitzungen, die nicht abbrechen“.
2. Das bestehende System auf den neuesten Stand bringen
Ein Upgrade auf eine neue Version funktioniert nur reibungslos, wenn das aktuelle System komplett gepatcht ist.
Führe diese Befehle aus, um alle verfügbaren Updates für 22.04 zu installieren:
sudo apt update && sudo apt upgrade -y
Anschließend lässt du noch ein dist-upgrade folgen:
sudo apt dist-upgrade -y
Wo liegt der Unterschied? Beide Befehle bringen installierte Pakete auf die neueste verfügbare Version. Sie unterscheiden sich darin, wie weit sie dabei gehen dürfen:
apt upgradedarf vorhandene Pakete aktualisieren und bei Bedarf neue Pakete nachinstallieren, aber niemals ein installiertes Paket entfernen. Lässt sich eine Aktualisierung nur durchführen, indem ein anderes Paket weicht, wird sie übersprungen – in der Ausgabe taucht das als „zurückgehalten“ bzw. „kept back“ auf.apt dist-upgrade(in neueren Versionen gleichbedeutend mitapt full-upgrade) darf zusätzlich Pakete entfernen, um Abhängigkeitskonflikte aufzulösen. Damit kommen genau die Aktualisierungen durch, dieapt upgradeliegen lässt – typisch bei Kernel-Paketen und größeren Umstellungen in der Paketstruktur.
Vor einem Distributions-Upgrade ist dieser Unterschied wichtig: Alles, was jetzt noch zurückgehalten wird, schleppst du als Altlast in die neue Version mit. Und do-release-upgrade läuft deutlich sauberer, wenn das System vorher vollständig konsistent ist.
Hinweis zum -y: Weil dist-upgrade Pakete entfernen darf, bestätigst du mit -y ungesehen auch mögliche Deinstallationen. Auf einem Produktivsystem lohnt es sich, den Befehl einmal ohne -y auszuführen und die Zeile „Die folgenden Pakete werden ENTFERNT“ zu lesen, bevor du bestätigst.
Nach dem Update ist ein Neustart ratsam:
sudo reboot
(Vergiss nicht, dich nach dem Neustart wieder per SSH einzuwählen und erneut screen zu starten.)
3. Firewall-Check: Den Weg freihalten
Ubuntu nutzt während des Upgrades oft einen zusätzlichen Port (meist 1022), falls der normale SSH-Dienst (Port 22) Probleme macht. Wenn eine Firewall aktiv ist, könnte diese den Zugriff blockieren.
Sicherster Weg für das Upgrade: Deaktiviere die Firewall kurzzeitig, falls sie aktiv ist:
sudo ufw disable
Alternativ kannst du den Port 1022 gezielt freischalten:
sudo ufw allow 1022/tcp
4. Das Distributions-Upgrade durchführen
Jetzt starten wir den eigentlichen Prozess. Da wir von einer LTS-Version (Long Term Support) zur nächsten wechseln, nutzen wir den offiziellen Update-Manager von Ubuntu.
Gib folgenden Befehl ein:
sudo do-release-upgrade
Was passiert jetzt?
- Das System prüft, ob die Version 24.04 bereits offiziell für Upgrades freigegeben ist.
- Du wirst gefragt, ob du das Upgrade starten möchtest. Bestätige mit J (oder Y).
- Während des Prozesses kommen eventuell Rückfragen zu Konfigurationsdateien. Meistens ist es sicher, die Standardeinstellung (bestehende Datei behalten) zu wählen.
5. Nacharbeiten und Bereinigung
Sobald das Upgrade durchgelaufen ist, verlangt das System einen Neustart. Danach bist du offiziell auf Ubuntu 24.04 LTS.
Um das System sauber zu halten, solltest du alte, nicht mehr benötigte Pakete entfernen:
sudo apt autoremove --purge
Firewall wieder aktivieren: Falls du die Firewall vorhin deaktiviert hast, schalte sie nun wieder ein:
sudo ufw enable
Fazit
Ein Remote-Upgrade ist dank screen und dem do-release-upgrade Tool kein Hexenwerk. Du profitierst nun von aktueller Software, einem neueren Kernel und verbesserten Sicherheitsfunktionen. Viel Erfolg mit deinem frischen Ubuntu 24.04!


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